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Presseartikel

Praxis-Workshop analysiert biogenen Wasserstoff

Chancen im ländlichen Raum, Bremsen durch Bürokratie

24.6.2026 | THD-Pressestelle

Netzwerkveranstaltung des Projekts „EnergieKreis“ liefert klare Handlungsempfehlungen aus der regionalen Wirtschaft für die Energiewende

Wo liegen die Hebel für die regionale Wasserstoffwirtschaft und an welchen Stellen hakt es in der Praxis noch? Diese Fragen standen am 18. Juni im Zentrum der Netzwerkveranstaltung des Projekts „EnergieKreis“ der Technischen Hochschule Deggendorf (THD). Rund 30 Fachleute aus 18 Unternehmen und Institutionen aus ganz Ostbayern nutzten die Veranstaltung im Technologiezentrum Energie (TZE) in Ruhstorf, um die Chancen und Risiken der Wasserstoffproduktion aus biogenen Quellen detailliert und kritisch zu analysieren.

Sechs Meter Prozesskette auf dem Prüfstand

Als methodisches Fundament diente den Teilnehmenden eine rund sechs Meter lange, visuelle Prozessübersicht. Diese bildete die gesamte Wertschöpfungskette der biogenen Wasserstoffherstellung ab – von den Rohstoffen über technologische Zwischenschritte wie die Methanpyrolyse oder den Wassergas-Shift bis hin zu den Neben- und Endprodukten. Die Experten spiegelten diese wissenschaftliche Vorlage mit ihren eigenen Erfahrungen aus dem Betriebsalltag.

Mittels farbcodierter Notizzettel steuerten sie wertvollen Input bei, der weit über rein technische Fragestellungen hinausging. Systematisch wurden ökologische, ökonomische, regulatorische und soziale Faktoren bewertet, um Stärken, Defizite und zukünftige Forschungsbedarfe freizulegen.

Die Ergebnisse im Detail: Regionaler Kreislauf vs. Regulatorik

Die Dynamik im Workshop führte zu einer tiefgehenden und engagierten Diskussion, aus der trotz unterschiedlicher Detailmeinungen ein klares Stimmungsbild hervorging:

  • Zentrale Vorteile: Als unschlagbare Stärken von Wasserstoff aus biogenen Quellen bewerteten die Teilnehmenden die konsequente Regionalität, die Nachhaltigkeit und die gelebte Kreislaufwirtschaft. Ein solcher Ansatz bietet insbesondere für ländlich geprägte Regionen enorme wirtschaftliche und ökologische Strukturvorteile, da Wertschöpfungsketten direkt vor Ort gebunden werden.
  • Die größte Barriere: Diesem Potenzial steht jedoch eine massive Hürde gegenüber, in der sich alle Akteure einig waren: Eine überbordende, starre Regulatorik macht es den Betrieben derzeit extrem schwer, die Technologien wirtschaftlich und zeitnah in die industrielle Praxis umzusetzen.
  • Wirtschaftliche Unsicherheiten: Zudem belasten unklare Faktoren wie die langfristig gesicherte Verfügbarkeit biogener Quellen sowie die generelle Rentabilität unter den aktuellen Marktbedingungen die Investitionssicherheit der Unternehmen.

Wissenschaftliches Rahmenprogramm und Technologieeinblicke

Flankiert wurde der interaktive Workshop von wissenschaftlichen Impulsen und praktischen Anschauungsbeispielen. Prof. Dr. Raimund Brotsack (Projektleiter EnergieKreis und Leiter der Forschungsgruppe Grüne Moleküle) gab Einblicke in die Energieforschung an der THD. Dr. Maria Bieringer zeigte auf, wie das Projekt „EnergieKreis“ Firmen aktiv als strategischer Partner bei der Energiewende unterstützt.

Die konkrete technische Praxis demonstrierten Muhammad Maaz und Tanja Wainz von der Hochschule Landshut anhand ihres Projekts „H2Bio“ zur Erzeugung von technisch reinem Wasserstoff sowie Maximilian Mock (THD), der die CO2-neutrale Methanpyrolyse vorstellte. Bei einer anschließenden Laborführung konnten die Teilnehmenden den Pyrolyse-Reaktor und weitere Technologien direkt im Einsatz besichtigen.

Ausblick: Maßgeschneiderter Wissenstransfer

Die Ergebnisse und gewonnenen Erkenntnisse aus dem Workshop wird das Projekt „EnergieKreis“ in den kommenden Monaten detailliert auswerten. Ziel ist es, passgenaue Wissenstransferveranstaltungen zu konzipieren. Damit sollen den regionalen Unternehmen maßgeschneiderte, praxisnahe Lösungen und konkrete Wege aufgezeigt werden, wie biogener Wasserstoff trotz bestehender Hürden erfolgreich in den Betrieben integriert werden kann.

Über das Projekt EnergieKreis

Das übergeordnete Ziel des Projekts ist es, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch den Transfer innovativer Technologien zu unterstützen. Mithilfe von regelmäßigen Netzwerkveranstaltungen und Workshops sollen Wettbewerbsvorteile entwickelt und die Betriebe optimal auf zukünftige Marktanforderungen vorbereitet werden. „EnergieKreis“ (Laufzeit: 01.01.2026 – 31.12.2028) wird vom Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) der Europäischen Union gefördert und wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst bewilligt.

Bild (THD): Diskussionen und gemeinsame Lösungen diskutierten die Teilnehmenden anhand der visuell abgebildeten Wertschöpfungskette.