Interdisziplinär, visionär und zugleich bodenständig – das Gründerteam von LUCENDO verfolgt ein klares Ziel: die Marktreife seiner innovativen Technologie. Sebastian Lew, Robin Niederhuber und Andreas Kagerbauer sind überzeugt, dass ihr Produkt die Gebäudesanierung grundlegend verändern kann. Die von ihnen entwickelte Analyseplattform erstellt detailgetreue 3D-Modelle und macht dadurch Materialeigenschaften sowie potenzielle Schäden sichtbar. So werden umfassende und zuverlässige Bestandsanalysen vor Sanierungen deutlich schneller sowie kosten- und zeiteffizienter möglich. Hochwertige 3D-Modelle für eine breite Zielgruppe zugänglich machen – das ist das Ziel von LUCENDO.
Mit ihrer vielversprechenden Idee wandte sich das Team bereits früh an das Zentrum für Entrepreneurship der Technischen Hochschule Deggendorf. Dort wurden die Gründer von Beginn an intensiv begleitet, sowohl von ihren fachlichen Mentoren Prof. Dr.-Ing. Gabriel Herl und Prof. Dr.-Ing. Matthias Hümmer als auch von ihrer Gründungsberaterin Uta Pustet. Sie nutzten alle angebotenen Beratungs-, Förder- und Qualifizierungsangebote und erreichten alle Meilensteine, die der Weg zur Unternehmensgründung bereithält. Inklusive dem Sahnehäubchen der Gründungsförderung: dem EXIST-Gründerstipendium, das im April 2026 angelaufen ist. Für das Team bedeutet das ein Jahr finanzielle Unabhängigkeit, um die Weiterentwicklung des Unternehmens voranzutreiben.
Wie die Idee zu LUCENDO entstand, wie sie sich entwickelt hat und welche Impulse auf ihrem Weg besonders prägend waren, darüber haben wir mit Sebastian Lew, Robin Niederhuber und Andreas Kagerbauer gesprochen.
Lucendo im Interview
Wir sitzen in den Räumen des Startup Labs der Technischen Hochschule Deggendorf. Der historische Altbau am Stadtplatz liefert gleich den passenden Gesprächseinstieg: Hätte LUCENDO bei der Sanierung eines Gebäudes wie diesem helfen können? Natürlich hätten sie hier mitwirken können, so die klare Antwort. Und schon geht es los, Fachsimpeleien über Laserscans, Thermografie, 3D-Modelle und Algorithmen. Aber fangen wir von vorne an.
Hallo LUCENDO – wer seid ihr und was macht ihr?
Sebastian Lew (SL): Wir sind drei, eigentlich vier engagierte ehemalige Studierende der THD mit einer großen Vision: digitale Planungsgrundlage für Gebäudesanierungen.
Wie soll das funktionieren?
Robin Niederhuber (RN): Mithilfe von Drohnenaufnahmen, Thermografie, Fotogrammetrie und Laserscans vermessen wir Gebäude bis ins Detail. Auf Grundlage dieser Daten erstellen wir ein texturiertes 3D-Modell – also so, wie man das Gebäude auch mit bloßem Auge sieht, mit Farben und allem, was dazugehört. Dazu kommt eine Wärmebildtextur aus den thermografischen Aufnahmen. Damit lässt sich erkennen, wo Energie verloren geht, wo vielleicht einmal Fenster zugemauert wurden, wo defekte Leitungen verlaufen oder Feuchtigkeit im Mauerwerk sitzt.
Was ist der Vorteil eurer Herangehensweise?
Andreas Kagerbauer (AK): Bisher läuft es so: Der Architekt kommt, nimmt den Bestand auf – meist mit einem Lasergerät –, trägt das Aufmaß händisch ein und erstellt ein 3D-Modell, allerdings nur als Schema. Daraus leitet er dann mit Erfahrungswerten ab, was problematisch sein könnte – basierend auf Baujahr, Mauerdicke, Beschaffenheit der Wände.
RN: Mit unserem Ansatz ergeben sich klare Vorteile: Zeitersparnis, höhere Genauigkeit und Zugang zu Stellen, die der Architekt ohne Gerüst gar nicht erreichen würde. Und natürlich Kosten und Effizienz. Bei Sanierungen stößt man oft auf unvorhergesehene Probleme, die dann irgendwie kompensiert werden müssen. Mit unserer Lösung wollen wir dem aktiv entgegenwirken und eine solide Informationsgrundlage schaffen.
Das klingt selbst für mich als Laien einleuchtend. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
SL: Die Idee kam mir, als ich zu Hause zusammen mit meinen Eltern die Heizung saniert habe. Wenn man von einem alten Ölsystem auf eine Wärmepumpe umsteigen will, braucht man gerade im Altbau einen Energieberater, der sich alles anschaut und durchrechnet. Unser Berater kam also, schaute sich das Haus an und meinte: „Baujahr so und so, dann werden Sie wahrscheinlich diesen Ziegel verwendet haben. Haben Sie noch irgendwas von der Dämmung, vielleicht einen Anschnitt?" Also wirklich nur rudimentäre Anhaltspunkte – ungefähr, passt schon, könnte hinhauen.
Da habe ich mir gedacht: Das kann doch nicht sein, dass man so eine Entscheidung nur auf Basis von Annahmen trifft. Die Idee hat angefangen zu wachsen. Dann habe ich überlegt, wen ich kenne, der genug Know-how hat, um mich bei einer Gründung zu unterstützen. So kam erst Robin dazu, dann Jonas, später dann Andreas.
Nette Geschichte – aber aus einem erkannten Problem und einer Lösungsidee ein Unternehmen zu gründen ist ja nicht so einfach.
SL: Nein, sicher nicht. Deshalb haben wir uns gezielt an das Zentrum für Entrepreneurship der THD gewandt. Ich kannte es schon durch Tom Geiss, der in seinen Vorlesungen an der THD von EXIST-Teams erzählt hatte. Als die Idee immer konkreter wurde, bin ich einfach hingegangen. Robin war schon an Bord, als wir zum Erstgespräch kamen. Das Feedback war sehr gut. Nach den ersten Pitches haben sie uns bestärkt, dass großes Potenzial in der Idee steckt – und dass wir auf jeden Fall dranbleiben sollen, egal was aus der Förderung wird.
Auch fachlich haben wir positives Feedback bekommen. Ein paar Bekannte aus der Baubranche, darunter Architekten, haben gesagt, das würde ihnen einen echten Mehrwert bringen.
Ihr seid am Zentrum für Entrepreneurship geblieben, die Förderung hat funktioniert. Erst habt ihr es ins Kickstart-Inkubator-Programm geschafft, jetzt habt ihr sogar das begehrte EXIST-Stipendium bekommen. Was ist für euch das Besondere an der Unterstützung hier?
SL: Die persönliche, allumfassende Hilfe zu jeder Tages- und Nachtzeit – und das große Netzwerk. Im Rahmen des Kickstart-Inkubator-Programms bekommt man eine feste Ansprechperson zur Seite gestellt. Bei uns war das Uta Pustet, und sie hat uns bis heute bei allem enorm unterstützt: Verwendungsnachweise zusammenstellen, Sachen beschaffen, Kontakte herstellen. Und dann natürlich beim nächsten Schritt, dem EXIST-Antrag, der sich von der ersten Idee bis zur Bewilligung über eineinhalb Jahre gezogen hat. Das hat viele, viele Stunden bedeutet – für uns, für Uta und für Alfons Weinzierl als Zweitprüfer.
Jetzt habt ihr den Gipfel der Fördermöglichkeiten erreicht: das EXIST-Stipendium. Was bringt euch das?
RN: Sehr viel. Wir können jetzt wirklich sagen: Wir haben die Möglichkeit, ernsthaft in die Gründung zu gehen, in den Markt einzutreten, unsere ersten Kunden aktiv anzusprechen. Uns wurde damit einiges an persönlichem und finanziellem Risiko abgenommen.
Die Förderphase im Rahmen des EXIST-Stipendiums dauert ein Jahr. Was genau bekommt ihr während dieser Phase?
RN: Wir bekommen Mittel für Sachanschaffungen – also Hardware wie Laserscanner, Drohnen, leistungsstarke Rechner. Außerdem dürfen wir die Räumlichkeiten hier im Startup Lab nutzen, da wir kein eigenes Büro haben. Und unser persönlicher Lebensunterhalt ist gesichert. Man darf währenddessen nicht viel nebenher arbeiten – das ist auch bewusst so gewollt. Man soll genug haben, um über die Runden zu kommen, und sich voll auf die Unternehmensgründung konzentrieren können. Deswegen fehlt im Moment auch der Vierte im Bunde, Jonas Roidner. Er ist immer noch dabei, aber da er schon einer festen Beschäftigung nachgeht, kann er in dieser Phase leider nicht aktiv mitwirken. Dafür haben wir uns Andreas an Bord geholt.
Ihr habt euch nicht nur vom Zentrum für Entrepreneurship inspirieren lassen, ihr seid auch weit gereist und habt den American Spirit verinnerlicht. Wie kam es dazu?
SL: Im Rahmen meines Masters an der THD saß ich in einer Vorlesung von Prof. Oliver Neumann. Er organisiert zusammen mit Prof. Tobias Strobl, der eine halbe Stelle an der Santa Clara University hat, das „Technology to Market“-Programm ins Silicon Valley. Ich habe direkt gefragt, ob wir mit unserer Idee – also mit einem konkreten Projekt – mitfahren dürften. Er meinte: „Kein Problem, aber ihr müsst euch innerhalb von zwei Tagen anmelden.“ Ich habe kurz telefoniert, und schon waren wir dabei. Oktober 2025 sind wir dann alle rübergeflogen.
Was war eure wichtigste Erkenntnis aus dem Aufenthalt in den USA?
RN: Großartig war natürlich, dass wir auch dort durchweg positives Feedback für unsere Idee bekommen haben. Wir haben vor Ort vor allem konzeptionell gearbeitet – nicht so sehr technisch entwickelt, sondern gelernt, wie man Ideen pitcht, wie man anfängt zu planen, und zu strukturieren.
SL: Das Beeindruckendste und Nachhaltigste war aber das Mindset. In Deutschland geht man Dinge oft zehnmal durch und sagt: Das müssen wir noch optimieren. Am Ende dauert es dann zehn Jahre, bis überhaupt etwas daraus wird.
RN: In Amerika geht man da ganz anders ran – viel erfinderischer, viel freier im Denken und wahrscheinlich viel optimistischer. Und ich glaube, dieser Optimismus ist wichtig, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Dass man dranbleibt, offen für neue Ideen und Vorschläge ist, anpassungsfähig bleibt. Dass man sich auf das einstellt, was gebraucht wird, statt sich darauf zu versteifen, was man selbst machen oder optimieren will.
SL: Es muss nicht immer perfekt sein, um zu helfen oder eine Daseinsberechtigung zu haben. Entscheidend ist, dass man die Technologie, die existiert, denjenigen bereitstellt, die sie brauchen – auch wenn es vielleicht noch nicht die perfekte Lösung für alles ist.
[Du willst auch mal den amerikanischen Gründungsspirit erleben? Hier findest du Infos zu den Silicon Valley Programs der THD]
In Amerika habt ihr euch also das richtige Mindset geholt – technisch umsetzen müsst ihr es aber trotzdem. Wer steht euch dabei zur Seite?
SL: Für das EXIST haben wir unseren Mentor von der THD, Prof. Gabriel Herl. Er beschäftigt sich intensiv mit RoboCT, vor allem am Campus in Plattling. Für uns ist sein Netzwerk entscheidend, weil er unsere Fragen an Professoren anderer Hochschulen weiterleiten konnte. Auch wenn er selbst sagt, er könne uns bei der Umsetzung nicht viel helfen, gibt es gerade beim Scanverhalten viele Schnittstellen zwischen RoboCT und unserem Vorhaben.
RN: Außerdem stehen wir mit Prof. Matthias Hümmer in engem Austausch, er unterstützt uns als Co-Mentor. Der Kontakt kam über Gabriel Herl zustande. Matthias Hümmer deckt den fachlichen Inhalt ab, die technische Umsetzung des Projekts. Er ist Mathematiker und hat bei Drohnenthemen im Baubereich schon einige Projekte realisiert, auch mit Industriepartnern. Dadurch bringt er enormes Know-how und ein wertvolles Netzwerk mit – extrem wichtig für uns.
Für euch läuft jetzt ein Jahr Förderphase. Was ist euer Ziel – was möchtet ihr bis zum Ende erreichen?
SL: Unser Ziel ist ganz klar: Wir haben gegründet, sind in einem aktiven Markt unterwegs und können uns selbst tragen und finanzieren, um unsere weitere Entwicklung zu stemmen. Dafür geben wir in diesem Jahr alles.
Was hat euch bisher am meisten geholfen auf eurem Weg hierher?
SL: Das Netzwerk durch das Zentrum für Entrepreneurship war extrem wichtig. Man hat Leute, die sagen: „Da kennen wir jemanden für PR", oder „Da gibt es einen Kurs, schaut mal, ob der was für euch ist", oder „Da ist eine Netzwerkveranstaltung mit anderen EXIST-Gründern." Und wenn Probleme auftauchen, werden sie schnell gelöst. Als wir sagten, wir bräuchten eine Drohne zum Starten oder IT-Hardware, die wir uns nicht leisten konnten, hieß es nur: „Passt." Innerhalb einer Woche hatten wir eine Workstation von der Hochschule. Und der Austausch mit Uta ist einfach fantastisch – sie ist immer erreichbar. Mit ihr habe ich auch schon mitten in der Nacht die eine oder andere Teams-Nachricht ausgetauscht, wenn es mal wieder gebrannt hat.
RN: Aus meiner Sicht war besonders das Coaching vom Zentrum für Entrepreneurship und von Uta sehr wertvoll. Wir haben nicht nur darüber geredet, was unsere Idee ist und wie wir sie umsetzen könnten, sondern auch über unsere persönlichen Ziele. Das darf man nicht vernachlässigen. Man will ja, dass das Ganze machbar bleibt, und sich das nicht schönreden. Wenn man unterschiedliche Ziele verfolgt, muss man das ansprechen – und das haben wir auch getan.
Dadurch haben wir Sicherheit gewonnen und ein gewisses Vertrauen in uns selbst, was möglich ist. Uns wurde ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass es nicht immer ideal läuft, sondern auch mal schwieriger werden kann. Und wir haben viel Hilfe beim Schreiben der Förderanträge bekommen. So schade es ist: Ohne Geld geht es nicht so einfach. Eine Drohne kann sich vielleicht noch der eine oder andere leisten, aber wenn es technisch in die Tiefe geht – LiDAR-Scanner, Hochleistungs-PCs –, wird es eng. In dem Sinne ist das Finanzielle natürlich alles andere als unwichtig.
SL: Ich würde sagen, dass uns die Förderung durch das Zentrum für Entrepreneurship in Deggendorf insgesamt am meisten gebracht hat. Man kann einfach unkompliziert vorbeikommen und bekommt jemanden an die Seite gestellt, der einem bei allen Fragen rund ums Gründen hilft.
Was meint ihr – was ist euer Erfolgsrezept?
RN: Vielleicht tatsächlich unsere Interdisziplinarität. Wir kommen wirklich aus drei, mit Jonas vier verschiedenen Bereichen. Wir können aus unterschiedlichen Blickwinkeln draufschauen, Lösungen finden, auch mal Kompromisse schließen und so wirklich zum finalen Produkt kommen.
SL: Das war beim EXIST tatsächlich einer der ausschlaggebenden Punkte. Sie haben klar gesagt: „Ihr seid so breit aufgestellt, das gibt es nicht oft – und das ist für Unternehmungen entscheidend.“ Bei uns ergeben sich automatisch Situationen, in denen der eine das möchte und der andere etwas anderes – aber nur durch die Diskussion kommt man auf den besten Weg. Wir haben die Chance, dass man sich nicht so leicht verrennt, weil jeder einen anderen Blickwinkel mitbringt. In Amerika haben sie uns gesagt: „Ein Team, das nicht zusammenhält, wird es nie bis zur Gründung schaffen.“ Ich denke, wir haben da – auch aufgrund unserer Diskussionskultur – einen echt guten Zusammenhalt und damit beste Voraussetzungen für Erfolg.
Vielen Dank und alles Gute für eure Gründungsphase!
Du bist jetzt inspiriert und willst auch mit was Eigenem starten?
Melde dich einfach bei uns - wir unterstützen und beraten dich gerne!
Oder abonniere unseren Newsletter und verpasse nichts mehr.