Vom European Campus in den Arbeitsmarkt
Marian Esskaros ist seit vier Jahren in der Stadtapotheke tätig1.7.2026 | THD
Kam mit einem Pharmazie-Bachelor von Ägypten an den European Campus, um dort ihren „Master Digital Health“ zu machen: Marian Esskaros (29), die Kunden in der Stadtapotheke Pfarrkirchen bedient und berät.In zehn englischsprachigen Studiengängen bildet der European Campus der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) akademische Fachkräfte aus. Bereits während ihres Studiums „Master Digital Health“ (digitale Gesundheit) begann Marian Esskaros (29), als Apothekerin zu arbeiten. Sie gilt als Expertin für E-Rezepte.
Am Stadtplatz 33 in Pfarrkirchen geht die Tür auf. Esskaros zählt zum Team, das dort Kunden berät und bedient. Schließlich zählt die traditionsreiche Stadtapotheke zu den Gesundheitseinrichtungen, welche die Menschen mit den nötigen Arzneien versorgen. Zunächst machte die Frau aus Ägypten an der Deutschen Universität in Kairo (GUC) ihren Bachelor in Pharmazie. Danach arbeitete sie in der Hauptstadt ihres Heimatlands erstmals als Apothekerin.
Auf den Websites des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) recherchierte Esskaros das Studium zum „Master of Science Digital Health“ am European Campus: „Einen vergleichbaren Lehrplan habe ich nirgendwo sonst gefunden.“ Ihr Interesse an dem Studiengang erklärt sie mit der Wichtigkeit, „Arzt, Apotheke, Patient und Versicherung besser zu vernetzen“. Natürlich wird dabei der Datenschutz beachtet.
Gutes Umfeld zum Leben und Lernen
Vor vier Jahren nahm Marian Esskaros am European Campus in Pfarrkirchen das Studium auf. „Eine Kleinstadt bietet ein gutes Umfeld zum Leben und Lernen“, findet die junge Frau. Vor zwei Jahren schloss sie ihr Master-Studium erfolgreich ab. Ihre mittlerweile veröffentlichte Abschlussarbeit schrieb sie über die „Optimierung des Übergangs von schriftlichen Rezepten zu E-Rezepten in Deutschland“.
Noch von Ägypten aus bewarb sich Esskaros per E-Mail initiativ bei der Stadtapotheke – und hatte Erfolg. Dass sie dort bereits während des Studiums in Teilzeit als „Apothekerin unter Aufsicht“ arbeiten konnte, empfindet die koptische Christin „als Geschenk Gottes“. Seit dem Ende ihres Studiums vor zwei Jahren ist die mittlerweile approbierte, also staatlich zugelassene Apothekerin ganz zu ihrer Freude als Vollzeitkraft beschäftigt. Zu ihrer vielseitigen Arbeit zählt neben Kundengesprächen: Impfungen durchführen, vorrätige Betäubungsmittel kontrollieren, Rezepte prüfen, verschriebene Rezepturen im Labor herstellen sowie Wochenbedarfe an Medikamenten zusammenstellen.
Die Apothekerin bedauert, dass derzeit aus einem vorgelegten Rezept keine Diagnose ersichtlich wird. „Denn sonst könnte ich Patienten noch besser beraten“, so Esskaros. Bereits jetzt führt sie nach Rücksprache mit behandelnden Ärzten eine Medikationsanalyse durch. „Damit können wir die Dosierungen optimieren und Nebenwirkungen einschränken“, weiß die Fachkraft. Obendrein beherrscht sie die Kunst, die Schrift von Ärzten zu entziffern, die Rezepte weiter per Hand schreiben und nicht ausdrucken.
Sprachkompetenz fördert Erfolg
Marian Esskaros arbeitet in einem Haus mit langer Tradition. In der Tat geht die Gründung der Apotheke als erste in Pfarrkirchen auf das frühe 19. Jahrhundert zurück. Vor zehn Jahren endete die Ära, welche sieben Generationen lang der Familiennamen Moser prägte. Seitdem führen Mag. Pharm. Johannes Strasser und Dr. Nathalie Strasser die Stadtapotheke im Sinne der Gründer-Familie weiter. Die beiden Eigentümer schätzen Essakaros als „integre Mitarbeiterin und Frohnatur“. Als besonderen Vorteil sehen sie es an, „dass sie Internationalität verkörpert und mit Deutsch, Englisch und Arabisch drei Sprachen spricht“.
Auf Grundlage ihrer Erfahrungen empfiehlt Marian Esskaros allen internationalen Studierenden, „Deutsch zu lernen und sich bei der Suche nach Arbeit auch initiativ zu bewerben“. Ursprünglich plante die Frau aus Port Said, nach dem Master-Studium nach Ägypten zurückzugehen. Doch ihr neues, stabiles Leben in Deutschland sagt ihr zu. „Ich fühle mich gut integriert“, so die Pharmazeutin, die in Eggenfelden wohnt. Wo auch immer es sein mag: Auf lange Sicht möchte Marian Esskaros gerne eine eigene Apotheke führen.
Volkswirtschaftliche Aspekte
Studien belegen den volkswirtschaftlichen Nutzen ausländischer Studierender. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW, Köln) geht davon aus, dass der Nettoertrag für die öffentliche Hand bei einer mittleren Bleibequote pro Kopf fast 196.000 Euro beträgt (hohe Bleibequote: knapp 330.000 Euro; niedrige Bleibequote: gut 93.000 Euro). Laut IW liegt der langfristige fiskalische Nettogesamteffekt selbst unter pessimistischen Annahmen bei mehr als dem Doppelten der Ausgaben für die Studienplätze.
Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Essen) stellt fest: Dass die MINT-Disziplinen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) unter ausländischen Studierenden besonders beliebt sind, verringert den Fachkräftemangel in Deutschland. Prof. Dr. Knut Petzold (Görlitz) weist darauf hin: „Die starke Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften im deutschen Arbeitsmarkt wird sich im Zuge des demographischen Wandels spätestens mit dem Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge noch deutlich verstärken.“